Eine Reise durch die 22 Großen Arkana, die Bäume der Erkenntnis und die Tore zu den Göttern

Einleitung: Mehr als nur Karten – Ein Universum aus Symbolen
Die Kabbalah im Tarot. Die meisten Menschen, die Tarotkarten in die Hand nehmen, sehen bunte Bilder. Sie sehen den Narren, der am Abgrund tanzt. Die Hohepriesterin, die hinter ihrem Schleier Geheimnisse bewahrt. Den Turm, der vom Blitz getroffen wird.
Schöne Bilder. Nützliche Bilder. Aber sie sind nur die Oberfläche.
Denn unter jeder Tarotkarte liegt eine tiefere Schicht. Eine Schicht, die Jahrtausende alt ist. Eine Schicht, die von Mystikern, Kabbalisten und Weisen aller Traditionen erforscht wurde. Und eine Schicht, die direkt zu den Urkräften der Welt führt – zu dem, was man in alten Zeiten Götter nannte.
Die Rede ist von der Kabbalah.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie die 22 Großen Arkana des Tarot mit dem kabbalistischen Lebensbaum verbunden sind. Ich erkläre dir, warum Tarot mehr ist als ein Orakel – warum es ein Wegweiser zu den Archetypen ist. Und ich wage einen Blick in die Tiefe: Sind diese Archetypen vielleicht mehr als nur psychologische Muster? Sind sie Kräfte – Wesenheiten – Tore zu dem, was unsere Vorfahren Götter nannten?
Lass uns gemeinsam eintauchen.
Teil 1: Was ist Kabbalah? Eine kurze Einführung für den westlichen Sucher
Bevor wir die Verbindung zum Tarot verstehen können, müssen wir einen Blick auf die Kabbalah werfen. Keine Angst – ich werde nicht in trockener Theorie versinken. Ich zeige dir nur das, was du brauchst, um das Tarot tiefer zu verstehen.
Der Lebensbaum – Die Landkarte der Schöpfung
Die Kabbalah ist eine jüdische Mystiktradition, die versucht, die Beziehung zwischen Gott, dem Universum und dem Menschen zu beschreiben. Ihr zentrales Symbol ist der Lebensbaum (hebräisch: Etz Chaim).
Stell dir den Lebensbaum als eine Art Landkarte vor. Eine Karte, die zeigt, wie die göttliche Energie von oben nach unten fließt – von der unendlichen Quelle bis in unsere materielle Welt.
Der Baum besteht aus:
- 10 Sefirot (Einzahl: Sefirah) – das sind göttliche Attribute oder Energiezentren. Man kann sie sich wie Schalter vorstellen, durch die das Licht fließt.
- 22 Pfaden – das sind die Verbindungen zwischen den Sefirot. Jeder Pfad ist eine bestimmte Energie, eine bestimmte Qualität, ein bestimmter Weg der Erkenntnis.
Und jetzt kommt das Spannende:
Genau diese 22 Pfade entsprechen den 22 Großen Arkana des Tarot.
Ja, du hast richtig gehört. Der Narr, die Hohepriesterin, der Magier – jede dieser Karten ist einem bestimmten Pfad auf dem Lebensbaum zugeordnet. Jede Karte ist ein Tor zu einer bestimmten göttlichen Energie.
Die 22 Pfade – Die geheime Brücke zwischen Tarot und Kabbalah
Die Zuordnung ist nicht zufällig. Sie folgt einer tiefen Logik. Ich zeige dir ein paar Beispiele:
| Karte | Hebräischer Buchstabe | Pfad-Nummer | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Der Narr | Aleph | 11 | Der Anfang, der Atem, das reine Sein |
| Der Magier | Beth | 12 | Bewusstsein, Schöpfung, Wille |
| Die Hohepriesterin | Gimel | 13 | Intuition, Verbindung, das Verborgene |
| Die Herrscherin | Daleth | 14 | Fülle, Liebe, das Weibliche |
| Der Herrscher | He | 15 | Ordnung, Gesetz, das Männliche |
| Der Hierophant | Vav | 16 | Tradition, Lehre, Vermittlung |
| Die Liebenden | Zain | 17 | Wahl, Begegnung, Dualität |
| Der Wagen | Cheth | 18 | Bewegung, Sieg, Kontrolle |
| Die Kraft | Teth | 19 | Stärke, Mut, Bändigung |
| Der Eremit | Jod | 20 | Innere Einkehr, Weisheit, Licht |
| usw. | … | … | … |
Jede dieser Karten ist also nicht nur ein Bild. Sie ist ein Name für eine bestimmte göttliche Schwingung. Ein Schlüssel zu einer bestimmten Tür im Universum.
Wenn du also eine Tarotkarte ziehst, ziehst du nicht einfach ein Symbol. Du berührst einen Pfad. Du öffnest eine Tür. Du rufst eine Kraft – bewusst oder unbewusst.
Teil 2: Wie Tarot durch die kabbalistische Brille funktioniert
Das Tarot als spiritueller Fahrstuhl
Stell dir den Lebensbaum wie ein Hochhaus vor mit 10 Stockwerken (den Sefirot). Ganz oben ist die göttliche Quelle, ganz unten ist unsere materielle Welt. Die 22 Pfade sind die Treppen oder Fahrstühle, die die Stockwerke verbinden.
Wenn du eine Tarotkarte ziehst, fährst du sozusagen mit diesem Fahrstuhl. Du bewegst dich auf dem Baum. Du erfährst, wo du gerade stehst – und wohin du gehen kannst.
Beispiel:
- Ziehst du Die Hohepriesterin, bist du vielleicht auf dem Pfad der Intuition. Du bist verbunden mit dem Verborgenen. Deine Aufgabe ist es jetzt, mehr zu fühlen als zu denken.
- Ziehst du Der Turm, bist du auf einem Pfad der Erschütterung. Alte Strukturen brechen zusammen. Du kannst sie nicht halten – aber du kannst neu bauen.
Die Kabbalah gibt dem Tarot also eine Struktur. Eine Landkarte, auf der du dich orientieren kannst. Sie zeigt dir nicht nur was du siehst, sondern auch wo du dich im großen Ganzen befindest.
Die vier Welten – Noch eine Dimension tiefer
Die Kabbalah lehrt, dass es vier Welten der Schöpfung gibt:
- Atziluth – die Welt der Emanation (reines Licht, die Götterwelt)
- Beriah – die Welt der Schöpfung (die Archetypen, die Engel)
- Yetzirah – die Welt der Formung (die Seelen, die Gefühle)
- Assiah – die Welt der Tat (die materielle Welt, die Handlung)
Jede Tarotkarte kann auf jeder dieser Ebenen verstanden werden.
- Auf der Ebene Atziluth ist sie ein Gott, eine Göttin, eine Urkraft.
- Auf der Ebene Beriah ist sie ein Archetyp, ein psychologisches Muster.
- Auf der Ebene Yetzirah ist sie ein Gefühl, eine Stimmung.
- Auf der Ebene Assiah ist sie ein Ereignis, eine Handlung, ein konkreter Rat.
Wenn du also Tarot legst, kannst du fragen: Auf welcher Ebene spricht diese Karte gerade zu mir? Will sie mir einen Hinweis auf mein Gefühl geben? Oder öffnet sie ein Tor zu einer viel tieferen Kraft?
Teil 3: Sind die Archetypen wirklich Götter? Ein kühner Gedanke
Jetzt kommen wir zu der Frage, die den Artikel besonders macht – und die vielleicht auch den einen oder anderen Leser zum Nachdenken bringt.
C.G. Jung und die Archetypen
Der große Psychologe C.G. Jung hat den Begriff der Archetypen geprägt. Er meinte damit Urbilder, die im kollektiven Unbewussten aller Menschen schlummern. Der Weise. Die Mutter. Der Held. Der Schatten.
Für Jung waren diese Archetypen psychologische Strukturen – Muster in unserer Seele.
Das Tarot ist voll von solchen Archetypen:
- Der Magier – der Schöpfer, der Willenskraft.
- Die Hohepriesterin – die Intuition, das Geheimnis.
- Der Hierophant – der Lehrer, die Tradition.
- Der Teufel – der Schatten, die Bindung.
Jung würde sagen: Wenn du diese Karten ziehst, begegnest du Teilen deiner eigenen Psyche. Du schaust in den Spiegel deiner Seele.
Der Schritt weiter: Sind Archetypen mehr als Psychologie?
Aber was, wenn Jung nur die halbe Wahrheit sah?
Was, wenn diese Archetypen nicht nur in uns sind – sondern auch außerhalb? Was, wenn sie eigenständige Kräfte sind? Was, wenn sie das sind, was unsere Vorfahren Götter nannten?
In der Yoruba-Tradition, aus der ich schöpfe, gibt es keine Trennung zwischen «innen» und «außen». Die Orischa – wie Eshu, Ogun, Oshun – sind gleichzeitig:
- Kräfte der Natur (der Wind, das Eisen, der Fluss)
- Kräfte in der Seele (Kommunikation, Durchsetzung, Liebe)
- Und eigenständige Wesen mit Bewusstsein, Persönlichkeit, Wille
Sie sind Archetypen – aber sie sind auch mehr.
Wenn ich also eine Tarotkarte ziehe, die dem Pfad des Magiers entspricht – rufe ich dann nur mein eigenes Potenzial auf? Oder öffne ich eine Tür zu einer Kraft, die größer ist als ich?
Vielleicht beides.
Vielleicht sind die Götter die Archetypen, und die Archetypen sind die Götter. Vielleicht gibt es gar keinen Unterschied. Vielleicht ist das Universum so eingerichtet, dass das, was tief in uns ist, auch tief im Kosmos ist.
Ein Beispiel: Die Kraft-Karte
Die Karte Die Kraft zeigt oft eine Frau, die einem Löwen sanft das Maul öffnet. In der Kabbalah ist sie dem Pfad Teth zugeordnet, der Verbindung zwischen Gedula (Majestät) und Gebura (Strenge).
- Psychologisch: Du bändigst deine Triebe. Du verbindest Sanftmut mit Stärke.
- Spirituell: Du rufst die Kraft an, die wilde Energien zähmt – ohne sie zu zerstören.
In der Yoruba-Tradition könnte das Oya sein, die Göttin des Wandels, die auch stürmische Winde lenkt. Oder Ogun, der die Kraft hat, zu zerstören – aber auch zu bauen.
Die Karte wird zum Tor. Du schaust nicht nur auf ein Bild – du trittst in einen Raum. Ein Raum, in dem eine bestimmte Kraft wohnt.
Teil 4: Was das für deine Tarot-Praxis bedeutet
Respekt vor dem Werkzeug
Wenn Tarotkarten wirklich Tore zu Kräften sind – dann ist der Umgang mit ihnen kein Spiel. Dann ist es eine Begegnung.
Du würdest auch nicht unvorbereitet in einen Tempel stürmen. Du würdest dich vorher reinigen, dich sammeln, Respekt zeigen.
Genauso ist es mit dem Tarot.
- Reinige dein Deck – regelmäßig. Räuchere es. Leg es auf deinen Altar.
- Sei klar in deiner Frage – Wischiwaschi bringt Wischiwaschi-Antworten.
- Sei offen für Antworten, die du nicht hören willst – Die Kräfte lügen nicht. Sie zeigen, was ist.
- Danke nach jeder Legung – Du hast Besuch gehabt. Verabschiede dich.
Warum man nicht zu oft fragen soll
Jetzt verstehst du vielleicht tiefer, warum ich in meinem letzten Artikel davor gewarnt habe, zu oft dieselbe Frage zu stellen.
Wenn du eine Karte ziehst, öffnest du eine Tür. Wenn du gleich darauf die nächste Karte ziehst, öffnest du die nächste Tür. Irgendwann wird der Flur eng. Die Kräfte überschneiden sich. Die Antworten werden wirr.
Gib den Toren Zeit, sich wieder zu schließen. Eine Frage pro Woche zu einem Thema ist genug. Bei drängenden Problemen: eine Klärung – dann handeln – dann wieder fragen.
Die Verbindung zu Runen und anderen Orakeln
Das Gleiche gilt für Runen, Pendel oder andere Orakel. Auch sie sind Tore. Auch sie öffnen Räume. Die alten Germanen wussten das: Runen waren nicht nur Buchstaben – sie waren Kräfte. Odin hing neun Nächte am Weltenbaum, um sie zu erringen.
Ob Tarot, Runen oder Ifá – das Prinzip ist universal:
Symbole sind Gefäße für Kräfte. Wer sie respektvoll nutzt, dem öffnen sie sich. Wer sie missbraucht, den strafen sie – oder schweigen.
Teil 5: Was meine Arbeit mit Tarot besonders macht
Du hast jetzt viel gelesen über Kabbalah, Archetypen und die Tore zu den Kräften. Vielleicht fragst du dich: Und was bedeutet das für eine Beratung bei mir?
Ich bin kein Kabbalist im strengen Sinne. Ich bin kein Rabbiner und kein Priester einer bestimmten Linie. Aber ich bin jemand, der seit Jahrzehnten mit Kräften arbeitet – mit den Ahnen, mit den Orischa, mit den Symbolen.
In meiner Tarot-Arbeit fließt all das zusammen:
- Ich sehe die Karte – aber ich spüre auch den Pfad.
- Ich deute das Bild – aber ich frage auch: Welcher Ahne steht dahinter?
- Ich gebe Rat – aber ich öffne auch Raum für das, was größer ist als ich.
Wenn du zu mir kommst, bekommst du nicht einfach eine «Lesung». Du bekommst eine Begegnung. Mit dir selbst. Mit den Bildern. Und vielleicht – wenn du bereit bist – mit den Kräften, die hinter den Bildern wohnen.
Ich verkaufe keine Wunder. Ich verspreche keine Lösungen über Nacht. Aber ich biete eines:
Klarheit. Tiefe. Respekt.
Und manchmal – manchmal öffnet sich eine Tür. Eine Tür, die du vorher nicht gesehen hast. Und dann liegt es an dir, hindurchzugehen.
Nachwort: Eine Einladung
Die Kabbalah ist tief. Sehr tief. Ich habe in diesem Artikel nur an der Oberfläche gekratzt. Aber vielleicht reicht das, um deine Neugier zu wecken.
Vielleicht siehst du jetzt deine Tarotkarten mit anderen Augen. Vielleicht spürst du: Da ist mehr. Da ist eine Schicht, die ich noch nicht verstehe – aber die ich spüren kann.
Wenn du weitergehen willst – allein oder mit Begleitung – dann tu es. Das Tarot ist ein Weg. Die Kabbalah ist ein Weg. Die Ahnen sind ein Weg.
Alle Wege führen zum Licht. Manche sind nur besser beleuchtet.
Ashé.
Magier Pure, März 2026